Wir

Aus Laboratorium

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Die einfache Rede vom wir ist immer hochproblematisch. Zu schnell wird dabei ein- und ausgemeindet. Dennoch kommt man ohne "wir" nicht weit. Die Suche nach Befreiung ist immer die Suche nach dem Gemeinsamen.

Vielleicht ganz aufschlussreich für die Frage des Wir ist die unsägliche aktuelle Debatte um Identität und Integration meist mit dem Blick auf meist muslimische Immigranten. Claus Leggewie schreibt in der Rundschau vom 9.3.2005:

Es wird nämlich unterstellt, "Identität" sei etwas, was jede Gruppe ungerührt für sich in Anspruch nehmen könne, während "Integration" als Bringschuld der Minderheiten betrachtet wird. Dabei verhält sich genau umgekehrt: Identität ist eine stets fragile und reversible Konstruktion, die der Anerkennung durch andere bedarf, während Integration eine aktive Leistung des Gemeinwesens darstellt.

Vielleicht kann man diese Einsicht in unserem(!) Sinn benutzen? Es macht also demnach erst dann Sinn von "wir" zu sprechen, wenn andere einen als Gruppe ansehen? Kein Wir ohne Ihr? Sobald das der Fall ist kann man dem Nicht-Wir auch mit gemeinsamen Forderungen entgegentreten?