Selbstentfaltung
Aus Laboratorium
Selbstentfaltung bedeutet die Entfaltung JeMeiner individuellen Möglichkeiten, in dem Sinne, dass die Selbstentfaltung aller die unmittelbare Bedingung JeMeiner Selbstentfaltung ist.
Zu der Formulierung JeMeiner: Das ist im Grunde eine Kennzeichnung einer grammatikalischen vierten Person, die sowohl ich als auch wir bedeutet. Das stammt aus der kritischen Psychologie und referiert auf die gesellschaftliche Natur des Menschen.
Zu unmittelbar: Die Unmittelbarkeit ist dabei wichtig, da dies mittelbar (also durch Geld, Markt, Staat, etc. vermittelt) auch schon im Liberalismus angedacht und im Kapitalismus partiell verwirklicht wurde. Das hat in der Vergangenheit schon zu Mißverständnissen geführt. Mit dieser Unmittelbarkeit ist nämlich nicht gemeint, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse quasi von selbst einrichten, dass man einfach nur machen müsse und dann passt schon alles. Vielmehr geht es eben um die Abgrenzung gegenüber z.B. dem Liberalismus, der einen ähnlichen Anspruch hat, ihn aber nicht nur nicht verwirklicht, sondern sogar aktiv verhindert durch Einführung einer eben mittelbaren Verbindungsschicht zwischen den Menschen.
Selbstentfaltung ist nicht zu verwechseln mit Selbstverwirklichung, die auch auf Kosten von anderen denkbar ist.
offene Fragen
Hier mal eine Liste mit mögilchen Problemen, die dieses Konzept haben könnte:
- Sind nicht vielleicht extreme Ausschläge in beiden Richtungen (Ich bzw. die Anderen) nötig und damit Selbstentfaltung als leitendes Prinzip zumindestens sehr abstrakt. Man denke zB an die Beziehung zu kleinen Kindern, wo man eigene Bedürfnisse doch zumindestens über längere Zeit erstmal hinten an stellen muß aber auch an das Exit-Kriterium der Freien Kooperation, das ja schon erstmal eine momentane kurzfristige Ego-Entscheidung ist.
- Ist dieses Konzept nicht letzten Endes Blind gegenüber Machtfragen? Kann ich nicht vielleicht sogar gerade mit Selbstentfaltung Machtausübung rechtfertigen?
- Ist das nicht vielleicht eine (tendenziell männliche) Hobbyistenperspektive die dieser Utopie des jeder-macht-sein-Ding zugrunde liegt?
- siehe auch Selbstentfaltung und Fürsorge

