Peer-Economy und Grundauskommen

Aus Laboratorium

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Ich beziehe mich auf den Text von Christian Siefkes: "From Exchange to Contributions: Generalizing Peer Production into the Physical World" sowie auf die Definiton eines Grundauskommens, wie sie zuerst unter diesem Namen von der Gruppe 180Grad vorgetragen wurde.

Inhaltsverzeichnis

These

Das Grundauskommen in einer Peer-Economy würde sich zu großen Teilen über bedingungslos gewährte Flatrates auf Infrastruktur und Güter realisieren (ÖPNV, Nahrungsmittel, Wohnen, ...). Zu einem gewissen Teil aber auch quasi-monetär über eine Gutschrift in "weighted labour" in einem "distribution pool".

Ein Grundauskommen ist eine notwendige Bedingung für eine funktionierende Peer-Economy. Ein Grundauskommen ist also nicht nur vereinbar mit der Peer-Economy (das deutet Christian selber an), sondern notwendig, damit Peer Production gesamtgesellschaftlich und dauerhaft funktioniert.

Begründung

Verhandlungsmacht

Nur wenn das gute Leben halbwegs gesichert ist unabhängig vom Willen anderer, hat man die Verhandlungsmacht, die es braucht um gleichberechtigt an der Gestaltung von Projekten mitwirken zu können. Nur wenn man im Zweifel gehen kann und forken, ohne zu viel zu riskieren, kann man sich wirklich mit dem ganzen Wesen in ein Projekt einbringen und seine Richtung gleichberechtigt mitbestimmen. Die Peer-Economy lebt aber nun genau davon, dass die Menschen ihre Kreativität voll entfalten können, deswegen ist sie darauf angewiesen den Menschen diesen Rückzugsraum zu bieten, wenn sie in ihrem Projekt nicht mehr gehört werden.

normativ?

Ein Grundauskommen ist zunächst mal eine normative Forderung. Wir wollen dass jeder gut Leben kann und deshalb soll das auch so sein. Als solche steht sie scheinbar im Widerspruch zur Kultur der Peer-Economy, die relativ arm an Normen zu sein scheint. Zum einen ist das aber nicht wirklich so, da die Peer-Economy eine Vielzahl an Normen begünstigt und benötigt. Von der Forderung nach Offenheit bis hin zur Bedeutung von Wissen und Fähigkeiten. Normatives steht also nicht prinzipiell im Widerspruch zur Peer-Economy. Zum anderen schlägt Christians Entwurf sehr wohl zusätzliche Normen vor, die nötig werden im Prozeß der Ausweitung in die materielle Welt: Er schlägt vor, dass die Menschen, die an einem Ort wohnen, nur dann die öffentliche Infrastruktur benutzen sollen, wenn sie sich an ihrer Aufrechterhaltung beteiligten (von explizit gewährten Ausnahmen abgesehen). Demgegenüber ist das Grundauskommen nur eine andere Norm, aber nicht generell eine Norm, die es sonst garnicht gäbe. Zugestanden: Die von Christian vorgschlagene Norm ist näher am heutigen Arbeitszwang und deshalb vielleicht eingängiger und vielleicht auch in einer Übergangsphase in vielen Fällen einfacher zu erreichen. Das ändert aber nichts daran, dass die entgegengesetzte Grundauskommens-Norm in einer Gesellschaft in der die Peer Production schliesslich die vorherschende Produktionsweise ist, für einen dauerhaften Erfolg Bedingung ist. Und auch in der Phase des Übergangs ist es wichtig so weit wie möglich einen Fork zu ermöglichen und die Hürden dafür so niedrig wie möglich zu halten. Als Perspektivisches Ziel sollte man also eher in diese Richtung denken und handeln und die Forderung nach Beteiligung nur dann zur Bedingung machen, wenn es nicht anders geht.

anstatt Lizenz

Das Grundauskommen hat damit für die Peer-Economy den Status den die Freien Lizenzen für Freie Software und Freie Inhalte haben. Sie ermöglichen den Fork und gewährleisten dadurch gleiche Verhandlungsmacht und freie Kooperation. So wie ein freies Softwareprojekt sich freiwillig eine freie Lizenz gibt - und damit auf bestimmte Verwertungsmöglichkeiten verzichtet - weil es weiss, dass diese Lizenz eben gerade Bedingung der Freien Kooperation ist, so würde auch ein Peer-Economy-Project auf ein Teil seiner "weighted labour" verzichten, weil es weiss das nur so die strukturelle Möglichkeit zu forken und damit die Möglichkeit freier Kooperation erhalten bleibt. Und genauso wie es kein freies Projekt ohne freie Lizenz geben kann, kann es kein Peer-Economy-Project ohne Beteiligung am Grundauskommen geben.

Die aus der Freien Software bekannte vierte Freiheit ("freedom to change") muss in der materiellen Ökonomie nur in Form eines "Rechts auf einen fairen Scheidungspreis" (Spehr) verwirklicht werden. Als Ziel sollte dabei ein Grundauskommen rauskommen, weil das am einfachsten jedem die Möglichkeit des Forks eröffnet. Fabriken kann man eben nunmal schlecht durchschneiden.

Weblinks

Siehe auch

Persönliche Werkzeuge