Menschliches Zusammenleben
Aus Laboratorium
Um irgendetwas zu verstehen, muss man verstehen, wie Menschen funktionieren, denn schließlich sind es immer Menschen, die verstehen. Um Menschen zu verstehen, muss man verstehen, wie ihr Zusammenleben funktioniert, denn Menschen sind soziale Wesen. Wie funktioniert also menschliches Zusammenleben?
Um irgendetwas zu verstehen, muss man es verändern, alles andere wäre bloßer Konsum und ist nicht in der Lage einen Gegenstanz zu durchdringen, zu begreifen. Wie verändert man also menschliches Zusammenleben?
Menschliches Zusammenleben enthält neben anderen drei wichtige Momente: Arbeit, Spiel und Liebe. Diese drei Momente durchdringen sich gegenseitig, bedingen sich, hängen voneinander ab, gehen auseinander hervor, verändern sich, usw... Das ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Alles andere wäre ja aber auch verwunderlich, weil menschliches Zusammenleben nunmal komplex ist. Dennoch können wir festhalten: Wir können menschliches Zusammenleben und damit alles (oder zumindestens das meiste vom Wichtigen), was ist, gewesen ist und sein wird, besser verstehen, wenn wir diese drei Momente besser verstehen. Wir können aber auch festhalten: Auf Grund der komplexen gegenseitigen Durchdringung dieser drei Momente wird man nicht wirklich viel Neues verstehen, wenn man sich nur einen dieser Bereiche isoliert betrachtet. Womöglich war genau das der jeweils zentrale Fehler von Marx, Schiller und Freud.
Um menschliches Zusammenleben zu verstehen muss man aber zusätzlich auch das Verstehen verstehen. Das Verstehen selber ist sicherlich auch nicht einfach und womöglich auch sehr komplex und verworren und mit ganz vielen anderen Dingen durchwirkt. Das mag sein. Irgendwo muss man aber wohl anfangen und einen Faden aus dem Knäuel lösen. Sicherlich wird sich irgendwann rausstellen, dass auch dieser Faden mit anderen verknäult ist, aber vielleicht haben wir dann einen kleinen Einblick erhalten und sehen wo es andere Fäden aufzunehmen gilt. In dieser Hoffnung starten wir jeden Versuch zu verstehen. Man darf das aber bitte nicht verwechseln mit dem anmaßenden, kalten und spaltenden "ich denke also bin ich" eines Descartes. Natürlich "sind" wir auch hier so rum, wenn wir keinen blassen Schimmer haben, wo kämen sonst die vielen Idioten her? Und möglicherweise sind wir die größten Idioten von allen, aber was solls. Wenn wir es am Ende geschafft hätten, den zentralen Fehlern von Marx, Schiller und Freud einen neuen hinzuzufügen, wäre vielleicht schon viel gewonnen.
Ok, also versuchen wir mal das Verstehen zu verstehen. Verstehen hat wohl ziemlich offensichtlich etwas mit Bedeutung zu tun. Und Bedeutung wiederum bestimmt menschliches Zusammenleben genauso wie es von ihm bestimmt wird. Oder wie Marx gesagt hätte haben können: "Man muss die Welt verändern und nicht nur verstehen." Weiter gefasst würde ich sagen: Man muss die Welt verstehen um sie zu verändern und verändern um sie zu verstehen. Nicht zu letzt muß man dabei auch das Verstehen verändern um das Verändern zu Verändern und das Verändern verstehen um das Verstehen zu Verstehen (sorry, aber so ist das wirklich! Wenn man es weniger anstrengend formuliert wird nicht klar, dass es dabei nicht um eine idealistische Wendung von Marx geht, sondern um einen neu formulierten Materialismus).
Ok, um also unsere drei Momente besser verstehen zu können, müssen wir die Veränderungen ihrer Bedeutungen verstehen. Es reicht nicht, bloß ihre Bedeutung zu verstehen, dafür gibt es Begriffe. Wir brauchen sozusagen die erste Ableitung der Bedeutung. Das sind die Bedeutungswirbel. Das Programm ist also folgendes: Verstehen der drei Bedeutungswirbel (Arbeit, Spiel und Liebe) und ihrer komplexen Interaktion miteinander. Wenn wir diese Interaktion verstanden haben, haben wir vielleicht einen ersten Einblick in das menschliche Zusammenleben.

