Keimform für Einsteiger
Aus Laboratorium
Mit diesem Einstiegtext erklären wir hoffentlich möglichst eingängigen Worten, was es mit dem Wort "Keimform" auf sich hat, was wir für das Problem halten und wonach wir suchen -- kurz: warum wir den Blog keimform.de machen.
Trotz der Unterschiedlichkeit der beteiligten Personen und der von ihnen vertretenen Ansätze, kristallisierte sich im Lauf der Zeit so etwas wie eine gemeinsame inhaltliche Plattform heraus. Diese ist jedoch nicht als Programm misszuverstehen, sondern soll die Teilnahme an einem Diskurs erleichtern, der inzwischen schon eine ganze Weile hier und anderswo läuft und dadurch im Laufe der Zeit immer voraussetzungsreicher geworden ist. Der Text ist insbesondere als Aufforderung zur Einmischung gemeint und logischerweise keine in Stein gemeißelte Wahrheit, die man zu schlucken hätte, wenn man bei uns mitspielen will.
Keimform – was ist das?
Keimform – das hört sich zunächst nach Wachstum und irgendwie biologisch an. Uns geht es jedoch nicht um die Biologie, sondern um die gesellschaftliche Entwicklung. Historisch haben neue Gesellschaftsformen jeweils ihre Vorläufer abgelöst. Die neue Gesellschaft kam jedoch nicht voraussetzungslos aus dem Nichts, sondern entstand schon in der alten Gesellschaft. Diese Anfänge der neuen Gesellschaft in der alten Gesellschaft wurden oft erst im Nachhinein erkannt, wenn schon klar war, dass sich eine Menge geändert hatte.
Unser Ziel ist, solche Vorformen oder eben Keimformen auszumachen, deren Durchsetzung wir wollen, weil mit ihnen emanzipatorische Ziele verbunden sind. Daher auch der Untertitel des Blogs: "Auf der Suche nach dem Neuen im Alten". Der Sinn dieser Suche ist es, handlungsfähig zu werden, also rechtzeitig zu erkennen, wo wir im emanzipatorischen Sinne in sinnvoller Weise eingreifen können.
Ganz kurz gesagt ist mit dem Wort "Keimform" also eine bestimmte Denkungsart verbunden. Sie guckt mehr auf die Chancen eines Neuen, als auf die Widrigkeiten des Alten. Das bedeutet nicht, dass wir den Widerstand gegeben unhaltbare Verhältnisse ablehnen, sondern einzig, dass wir den Fokus auf das wünschenswerte Neue richten – denn irgendwo muss das ja mal herkommen. Wir stellen uns also der häufig genannten Frage: "Was sind die Alternativen?", auch wenn wir wissen, dass eine Antwort nicht einfach ist.
Was ist das Problem?
Die Menschheit taumelt von einer Krise in die nächste. Alle wurschteln irgendwie rum, aber die grundsätzlichen Funktionsweisen unseres globalen Zusammenlebens werden kaum in Frage gestellt. Zwar herrscht am Anfang des 21. Jahrhunderts schon eine weit verbreitete Grundstimmung, dass es so eigentlich nicht weiter gehen kann, aber nur wenige machen sich Gedanken über grundlegende strukturelle Probleme und noch weniger suchen nach Auswegen.
Selbst radikal auftretende Gruppierungen verfallen entweder in den Fehler eines leeren Utopismus oder in den umgekehrten Fehler bloßer Kritik. Und das sind nur die häufigsten Irrtümer von Leuten mit emanzipatorischem Grundverständnis, und zweifellos unterliegen auch wir ihnen immer wieder, auch wenn wir versuchen, das zu vermeiden. Daneben gibt es natürlich noch einen erst recht kontraproduktiven Wust an religiösen, technizistischen, geldreformerischen, esoterischen, wirtschaftsliberalen oder konservativen Heilsversprechen. Ganz zu schweigen vom immer stärker werdenden Wahnsinn in Gestalt von nationalistischen, rassistischen, antisemitischen oder gewaltverherrlichenden Untergangspropheten. Die Kritik an all diesen Dingen ist sehr wichtig, aber nicht vorrangiger Gegenstand unseres Blogs.
Wir können es dabei nicht belassen, weil wir die Lage nicht mehr ertragen. Sowohl unsere eigene meist zumindestens materiell noch recht komfortable Lage, als auch die derjenigen Milliarden Menschen, denen es noch tausendmal schlechter geht als uns relativ Priviligierten. Dazu kommt die Einsicht, dass der Planet Erde schlicht das ressourcenverschlingende Wachstumsmodell des Kapitalismus nicht mehr lange aushalten kann.
Um dauerhafte Verbesserungen zu erreichen, reicht es nicht aus, nur einen netten Staat zu fordern oder einen gezähmten Markt – auch wenn beides immerhin nicht schadet und vielleicht auch das eine oder andere Leid lindern kann. Dennoch werden beide – Staat und Markt – immer ihren destruktiven Charakter behalten, so lange sie hegemonial sind – das zeigt die Geschichte ebenso deutlich wie die Gegenwart.
Und wonach suchen wir?
Wir suchen nach einer Möglichkeit, die Produktion des Lebens ohne Staat und Markt zu organisieren. Wir halten eine emanzipatorische Bewegung für nötig, die an einer gesellschaftlichen Organisation jenseits von Staat, Geld und Herrschaft interessiert ist. Dafür braucht es Keimformen einer ganz neuen Weise "Gesellschaft zu machen". Dabei ist noch nicht klar, wie diese Gesellschaft aussehen soll, klar ist nur, dass wir auf der Suche sind.
Die Widersprüchlichkeit von Keimformen ist dabei nicht nur ein Problem, sondern auch eine Chance. Keimform von etwas Neuem kann nämlich nur etwas sein, was für zumindestens Teile des Alten funktional ist. Das können durchaus auch herrschende Teile sein, ja das erhöht sogar die Wahrscheinlichkeit ihrer Durchsetzung. Ebenso wenig geht es aber ohne ein Moment der Gegnerschaft gegen das Alte: Das Neue muss auch wirklich in der Lage sein, neue gesellschaftliche Verhältnisse herzustellen, die keine Neuauflage des Alten sind.
Das erste Beispiel für eine solche Bewegung, über die wir gestolpert sind, ist für uns die inzwischen sehr breite und vielfältige Bewegung rund um Freie Software und Freie Inhalte. Das hat natürlich damit zu tun, dass die meisten von uns aus dem IT-Umfeld kommen. Das hat uns ermöglicht, an der Realität dieser Bewegung, die es immerhin schafft, global relevante Teile der Produktion zu übernehmen, ihre Stärken und Schwächen zu analysieren. Diese Bewegung ist für uns ein existierendes Beispiel einer alternativen Eigentums- und Produktionspraxis – durchaus widersprüchlich aber eben doch auch wegweisend.
Diese neue Praxis charakterisieren wir in Anlehnung an Benkler (TODO: Link) als commons based peer production. Diese beruht auf einigen wichtigen Prinzipien:
TODO: hier die Prinzipien
Im Gegensatz zu Benkler gehen wir allerdings davon aus, dass die commons based peer production auch in der Welt stofflicher Güter funktionieren kann.
Mit diesem neu gewonnenen Blick sind wir dann in die Welt gegangen und sehen seitdem an vielen Orten Keimformen dieser Art, auch wenn sie meistens noch ein Kümmerdasein fristen.
TODO: hier dann vielleicht noch ein paar Beispiele aus dem Blog
TODO: Schlusswort, was kannst du tun?

