Diskussion:Neues zur Brötchenfrage
Aus Laboratorium
Daß Selbstentfaltung in der Produktion freier Software auftaucht und Software immateriell stark informationsbetont ist, bedeutet nicht notwendigerweise, daß der informationsbetonte Charakter des Produktes die Voraussetzung für Selbstentfaltung ist. Diese Annahme könnte eine Sackgasse sein. D.h. daß momentan kein Brötchen durch Selbstentfaltung entsteht, liegt vielleicht gar nicht daran, daß es materiell ist. Somit wäre es gut, noch einmal die funktionierenden Beispiele von Selbstentfaltung genauer zu betrachten und nach anderen möglichen Kriterien zu suchen... -- Sloyment 21:39, 18. Dez 2005 (CET)
IMHO geht die Diskussion in eine falsche Richtung. Egal ob etwas materiel oder nicht-materiel hergestellt wird, worüber verhandelt wird sind immer echte Ressourcen. Bei der Kooperation für die Herstellung für immaterielle Güter geht es auch darum wer was macht, wer welchen Server betreut, woher das Geld kommt für Webspace etc.
IMHO lenkt die Frage "wer macht die Brötchen, wenn alle nur das tun, was sie wollen ?" in eine falsche Richtung, weil sie als Lösung die Lust suggeriert, und diese entkoppelt stellt von der Einsicht in die Notwendigkeit. Letztendlich geht es immer darum, etwas gemeinschaftlich zu tun, was als notwendig erachtet wird. Das wir alle Nahrung brauchen ist wohl Konsens. "Wie kommen wir gemeinschaftlich zu Nahrung?" ist die Frage. In einer entwickelten Gesellschaft ist eine als notwendig zu beantwortende Frage Motivation zu ihrer Erledigung.
Einige Faktoren, die die Produktion von Wissen so viel einfacher machen als die von Brötchen:
- Lokalität des Nahrungsproblems, eine Kritische Masse für die Bearbeitung findet sich auf Freiwilliger Basis schwieriger, da der Kreis von Unterstützern nur in einem lokalen begrenzten Gebiet gefunden werden kann
- Divergenz von Kommunikations- und Produktionsmitteln. Für den Wissensarbeiter ist sein Werkzeug gleichzeitig auch sein Mittel zur Kommunikation. Der Nahrungshersteller muss mehr Techniken beherrschen, wenn er in einem "dünnen Markt" von freiwillig kooperierenden eine Kritische Masse aufbauen will für seine Frage
- Die Produktionskette von Nahrung bedarf wesentlich mehr Produktionsmittel als der von Wissen. Zur Wissenproduktion reicht Papier und Bleistifft, zur Vernetzten ein Computer und Internetanschluss. Zur Nahrungsmittelproduktion muss eine im Vergleich dazu große Kette von Produktionsmitteln zur Verfügung stehen ( Eigentum an Land, Maschinen zur Landbearbeitung, Lagerhallen, Maschinen für Weiterverarbeitung)
- Wissen wird nicht schlecht, Nahrungsmittel schon. Der aufbau von Wissensprodukten (Büchern, Software etc) hat keine intrinsichen Zeitfaktoren.
Trotzdem gibt es in Form von CSA Beispiele für eine "freiwillig koordinierte Bröchtenproduktion"; wesentlich weniger als freie Softwareprojekte -- wie auch zu erwarten ist. --ThomasKalka 00:36, 5. Jan 2006 (CET)
Ihr sprecht mir beide aus der Seele. Sinn des Brötchen-Textes und dieses unfertigen Nachfolger ist es ja gerade diese IMHO schädlichen Mißverständnisse im ox-Umfeld zu beheben. Sollte es so rüberkommen, dass ich die selbst vertrete, dann ist was gründlich schiefgelaufen. Eure Beiträge gehen in eine ganz ähnliche Richtung in die ich auch will, nämlich das Verhältnis zwischen materieller und immaterieller Produktion oder besser, die Veränderungen in diesem Verhältnis zu diskutieren. Darin liegt für mich die eigentliche Brötchenfrage. Momentan bin ich vor allem am überlegen, wie man die Virtuosität (die ich ein spannendes Konzept finde - siehe Virtuosität und Immaterialität) in die - so verstandene - Brötchenfrage integriert. Vielleicht sollte man hier nochmal die Einleitung in diesem Sinne verdeutlichen. Benni 00:05, 6. Jan 2006 (CET)

