Diskussion:Marxismus
Aus Laboratorium
Also den Einwand mit der Wertkritik finde ich ja doch ziemlich tendenziös. Denn ich würde gerade sagen, das die Wertkritik dazu taugt, neue Perspektiven zu eröffnen, weil sie durch ihre fundamentale Kritik hilft, die Widersprüche in der gesellschaftlichen Realität und die Ansatzpunkte für soziale Bewegungen in den Blick zu kriegen. Das werden wir hier vermutlich nicht wirklich ausdiskutieren können, aber die Formulierung stößt bei mir doch auf... äh... Unwohlsein. ,-) Juli
- He, als erstes mal schön, dass ich hier nicht mehr ganz so alleine bin :-) Zur Sache: Die Formulierung ist sehr knapp und schon etwas alt. Das Verhältnis von Kritik und Perspektive ist sicher eine längere Untersuchung wert als diese paar kurzen Gedanken. Sieh es als Notizen. Mir liegt auch nix dran Wertkritik zu bashen, ich hab nur versucht nach Bedingungen zu suchen, die eine Verbindung von Kritik und Perspektive, die fürs 21. Jhdt taugt, erfüllen muss. Ich hadere halt sehr mit dem Begriff der Arbeit und mit dessen Verwendung im Marxismus... Benni 23:17, 1. Jun 2007 (CEST)
Vorurteile
Auch sonst drückt der Textschnipsel mehr Vorurteile aus als eine irgendwie fundierte Kritik. Erstens ist schon gar nicht klar, was mit "Marxismus" gemeint ist: der von der Wertkritik, Michael Heinrich u.a. kritisierte "Arbeiterbewegungsmarxismus", oder die Theorie von Marx?
Und dann kommt's auch inhaltlich überhaupt nicht hin, z.B. "Da hilft es auch nicht weiter, wenn man Arbeit aufteilt in konkrete und abstrakte Arbeit und die eine bejubelt und die andere verdammt." Von "aufteilen" kann keine Rede sein: Arbeit ist laut Marx immer dann konkret, wenn sie Gebrauchswert produziert (weil es auf den konkreten Gebrauchswert ankommt, der nicht mit anderen vergleichen werden kann); sie ist immer dann abstrakt, wenn sie Wert (Tauschwert) produziert (weil sie hier nur auf die Quantität ankommt, nicht auf die Inhalte der Arbeit – dem finanzierenden Kapitalisten ist letztlich egal, ob er Socken oder Kanonen produziert). Arbeit ist also nicht konkret oder abstrakt, sondern im Kapitalismus zumeist beides.
Und Marx will nicht "die Welt erklären", sondern den Kapitalismus, und dass da (Lohn-)Arbeit (Arbeitskraft, die gekauft wird, um dadurch Wert zu produzieren) und Kapital zwei zentrale Kategorien sind, dafür kann er nichts. Das kann man vielleicht dem Kapitalismus vorwerfen, aber ganz sicher nicht Marx. --Christian 13:25, 15. Nov 2007 (CET)
- Klar, "fundierte Kritik" ist nicht mein Anliegen gewesen (wird es in diesem Zusammenhang wahrscheinlich auch nie sein, dass können anderer besser). Es war allerdings schon mein Anliegen mein Unbehagen mit der Beschreibung der Welt (Nein, es geht Marx nicht nur um einen Teil dieser, siehe den ersten Satz des Kapitals) durch den Marxismus auszudrücken. Was ist hier mit Marxismus gemeint? Natürlich nicht wirklich der alte Arbeiterbewegungsmarxismus oder gar der Staatssozialismus. Dass der nicht mehr Zeitgemäß ist (und vielleicht auch nie war), ist eine solche Binsenweisheit, da muss man sich nicht mit aufhalten. Zu den aktuelleren Varianten hab ich ja einzeln was geschrieben. Zur "Aufteilung": Soweit hab ich das schon verstanden, dass die Arbeit nicht "sortiert" wird. Sie wird aber eben in zwei begriffliche Teile aufgespalten, dass ich das für unzureichend halte (wenn auch nicht direkt falsch) schreibe ich ja im Artikel über Arbeit. Im Kapitalismus wenn man ihn mal so nimmt, wie er ist (oder wofür er sich hält) und nicht durch die Marxsche Brille betrachtet sind "Arbeit" und "Kapital" sicherlich interessant, aber sicherlich nicht die alles bestimmenden Kategorien. Die Neoklassik ist ja weg von der Arbeitswertlehre (das mal als Beispiel). Es gibt da also nix was irgendwie "halt so ist", sondern man erschliesst sich die Welt mit Begriffen. Einen nicht ganz dummen Ansatz (im Gegensatz zur Neoklassik ;-) verfolgt Marx. Dennoch bleibt da halt bei mir ein Unbehagen (so wie im übrigen meistens). Das wollte ich hier formulieren, nicht mehr aber auch nicht weniger. Das gleich mit "Vorurteile" wegzubügeln finde ich zumindestens nicht zielführend.

