Crodwblog Journalismus
Aus Laboratorium
Generelle Herangehensweise, die ich gut fände: Was sind überhaupt die gesellschaftlichen Aufgaben von Journalismus? Welche davon sind in Gefahr? Was könnte an ihre Stelle treten?
Vielleicht verweisen auf http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/170/
Man muss vieleicht noch einen Schritt zurückgehen: Wer sagt, dass es Journalismus geben muss (bzw. er "gesellschaftliche Aufgaben" hätte?
Wünschenswert aus gesellschaftlicher Sicht ist: Dass möglichst viele Menschen gut über die wichtigen Dinge, die auf der Welt passieren, informiert sind, damit gewährleistet ist, dass sie auf dieser informierten Grundlage politisch agieren können.
Braucht es dazu unbedingt Journalismus? Oder ist Journalismus nicht nur die in einer bestimmten historischen Situation entstandene Instanz, die das gewährleisten sollte?
Diese historische Situation war: 1. Informationen waren schwer zugänglich (Reisen teuer und aufwändig, Recherche sehr zeitintensiv), weshalb Journalismus als Erwerbsberuf entstehen konnte (Leute waren bereit, für dieses rare Gut Information zu bezahlen) 2. Informationen an die Massen zu verbreiten war teuer und erforderte Qualifikationen bzw. "Produktionsmittel"
Diese historische Situation hat sich vor allem (aber nicht nur) mit dem Internet geändert. Es gibt viele (wenn auch nicht alle) Informationen leicht zugänglich. Das rare Gut ist heute nicht die Information, sondern die Aufmerksamkeit. Deshalb wird Journalismus tendenziell zur PR (notwendigerweise bis zu einem gewissen Grad).
Um die Informiertheit der Menschen zu gewährleisten ist es heute nicht mehr notwendig, Informationen (dazu gehören auch Hintergründe, Analysen usw.) bereitzustellen, sondern die Aufmerksamkeit der Leute auf das wichtige zu fokussieren. Zuviel unsinnige Information führt genauso zu Uninformiertheit wie zu wenig verfügbare Information.
Ein paar steile Thesen für den Anfang:
- Wer mit "Journalismus" Geld verdienen will, muss sich damit anfreunden, PR zu machen. Also vielleicht: Statt dafür zu kämpfen (wie ich meine, auf tendenziell verlorenem Posten), PR und Journalismus zu trennen, müsste man analysieren, was "gute" (im Sinne der Informiertheit) und was "schlechte" PR ist (gute PR ist etwa, wenn politische Initiativen auf ihre Anliegen aufmerksam machen, aber evtl. auch, wenn Produkte auf informierende Weise beworben werden...) Oder auch: Die Frage ist nicht, mache ich PR oder Journalismus, sondern die Frage ist: Wofür mache ich PR. Das hängt natürlich direkt mit "woher bekomme ich mein Geld" zusammen (das ist auch am Internet-Manifest falsch, die Behauptung, es gehe nicht um bezahlt oder unbezahlt. Wer unbezahlt Journalismus betreibt, macht letztlich nur PR für sich selbst, vgl. die Eitelkeit, die Leute veranlasst, unbezahlt oder schlecht bezahlt für so genannte "Prestigemedien" zu schreiben, Bsp. Washington Post, die für Meinungsartikel grundsätzlich keine Honorare bezahlt)
- Gleichzeitig ist es wichtig, "Medienkompetenz" zu verbreiten, d.h. den Leuten zu ermöglichen, sich in dem Wust von Über-Information möglichst gut zurecht zu finden. Vielleicht sind Soziale Netzwerke da eine Richtung: Ich schenke meine Aufmerksamkeit den Hinweisen von Leuten, denen ich vertraue, die ich kenne...
- Für "klassischen" Journalismus bleibt noch der Rest der immer noch nicht so leicht zugänglichen Information (der aber tendenziell auch immer kleine wird, wenn z.B. irgendwann alle Leute mal twittern z.B.). Allerdings braucht es dafür unweigerlich Sponsoren, und daher sind wir wieder im Bereich der PR (auch wenn "der Staat" das finanziert, ist es, wie wir aus der Geschichte wissen, tendenziell PR, nämlich für die staatlicherseits als "relevant" oder "richtig" einklassifizierten Sichtweisen.

