Benutzer Diskussion:StefanMz/Reflexionen ueber Arbeit

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Arbeitsontologie

Wenn ich dich richtig verstehe, argumentierst du, dass Arbeit – genau wie Gebrauchswert, Bedürfnisse (?) etc. – eine spezifisch kapitalistische Erscheinung ist, die es vor dem Kapitalismus nicht gab und nach Aufhebung des Kapitalismus nicht mehr geben wird. Unser Grunddissens dazu ist bekannt. Trotzdem würde mich dazu mal konkret interessieren: würdest du sagen, dass der effort bzw. die weighted labor, von denen ich in meinem Peeerconomy-Modell rede, keine Arbeit sind? Oder würdest umgekehrt sagen, dass es sich bei dem Modell (da noch Arbeit existiert) doch nur irgendwie um einen "Kapitalismus mit menschlichem Antlitz" handelt? --Christian 13:18, 23. Jan 2008 (CET)

(a) Bedürfnis ist eine Indidividualbestimmung des gesellschaftlichen Menschen, insofern gehört es aus zwei Gründen nicht in die Reihe: keine gesellschafttheoretische Kategorie, keine kapitalistische Formspezifik (Bedürfnis und insbesondere Motivation lassen allerdings sich durchaus für kapitalistische Verhältnisse differenzieren, vgl. Kritische Psychologie -- ist aber hier nicht der Punkt)
(b) Wie du weisst, schätze ich das Peerconomy-Modell als Transitionsmodell ein. Es ist damit (für mich) klar, dass solche Übergangsmodelle nicht das "ganz Neue" sein können, aber auch nicht das "ganz Alte". Zum Beispiel werden beim Peerconomy-Modell potenziell alle "efforts" einbezogen, was tendenziell die Sphärenspaltung zersetzen kann. Die Leute entscheiden selbst, also sozial, was für sie wichtig ist -- und nicht ein sachlicher Mechanismus. Deswegen: Ja, Peerconomy kann in den Kapitalismus zurückkippen, aber es ist kein Kapitalsmus mehr, auch nicht nicht ein renovierter, sondern schon was Neues. --StefanMz 16:11, 23. Jan 2008 (CET)

Arbeit und Arbeitontologie

eigentlich auch die schwierigste Partie Dazu nochmal eine interessante Stelle im Kapital was mir vorher so noch gar nicht aufgegangen war:

„Wenn es im Eingang dieses Kapitels in der gang und gäben Manier hieß: Die Ware ist Gebrauchswert und Tauschwert, so war dies, genau gesprochen, falsch. Die Ware ist Gebrauchswert oder Gebrauchsgegenstand und "Wert". Sie stellt sich dar als dies Doppelte, was sie ist, sobald ihr Wert eine eigne, von ihrer Naturalform verschiedene Erscheinungsform besitzt, die des Tauschwerts, und sie besitzt diese Form niemals isoliert betrachtet, sondern stets nur im Wert- oder Austauschverhältnis zu einer zweiten, verschiedenartigen Ware. (MEW23/72)

Der Terminus Gebrauchswert steht also genauer für „Gebrauchsgegenstand.“ Als Produkt menschlicher Arbeit ist dieser Gegenstand Gegenstand der Aneignung – unter allen gesellschaftlichen Verhältnissen. Als dieser Gegenstand verkörpert das Produkt offenbar einen Wert, der mit ihrer Naturalform oder handgreiflichen Gestalt zusammenfällt – den Gebrauchswert.

In besonderer historische Form kann ein solcher Gebrauchsgegenstand nur über den Tausch angeeignet werden. Damit erst entsteht der „Wert“ in seiner von der Naturalform verschiedenen Form als Tauschwert und macht aus diesem Gebrauchsgegenstand erst eine Ware. Unter diesem Gesichtpunkt der Produktion von Gebrauchsgegenständen (durch Arbeit) geht es m.E. eben nicht um die Aufhebung von Arbeit und Gebrauchswert.

Ich denke, man muß in diesem Zusammenhang auch mehr auf den philosophischen Hintergrund des Arbeitsbegriffes rekurrieren. M.E. vor allem in den Pariser Manuskripten. Vielleicht sollte die Frage präziser lauten: Welche Art von Arbeit muß aufgehoben werden.

Dazu zur Diskussion: Möglicherweise geht es darum, Arbeit als (nur?) „instrumentelles Handeln“ aufzuheben. „Arbeit“ als instrumentelles Handeln, hat immer einen dem Handeln selbst äußerlichen Zweck. (kein Selbstzweck) In diesem Sinne produziert instrumentelles Handeln – Entfremdung. Und natürlich sind auch Menschen Gegenstand instrumentellen Handelns. Die Menschen sind sich in diesem „Handlungstyp“ gegenseitig nur Objekte, die man zum Mittel eigenen Handelns machen muß. (Darauf basiert zu Recht auch eine wesentliche Flanke der Wissenschaftskritik.)

Diese Figur des instrumentellen Handeln hat in der kapitalistischen Gesellschaft universelle Geltung quasi als Grundfigur der Entfremdung und schleicht sich alleweil in unser Denken ein. So wird ihr instrumenteller Charakter bei Dir ganz unbesehen in die Zukunft verlängert als „Produktion der Lebensbedingungen.“ Wer Lebensbedingungen sagt, sagt nicht Leben. Aufhebung der Arbeit heißt dann, wir können uns gar keine Arbeit vorstellen, die nicht entfremdet ist – Arbeit, die Leben sein könnte. Arbeit ist aber das menschliche Leben (im Unterschied zum tierischen Leben).

„Das Privateigentum hat uns so dumm und einseitig gemacht, daß ein Gegenstand erst der unsrige ist, wenn wir ihn haben, also als Kapital für uns existiert oder von uns unmittelbar besessen, gegessen, getrunken, an unsrem Leib getragen, von uns bewohnt etc., kurz, gebraucht wird. Obgleich das Privateigentum alle diese unmittelbaren Verwirklichungen des Besitzes selbst wieder nur als Lebensmittel faßt und das Leben, zu dessen Mittel sie dienen, ist das Leben des Privateigentums Arbeit und Kapitalisierung.“ ÖPM Privateigentum und Kommunismus MEW EB I 539

- Was hier also betrachtet wird, ist das Leben des Privateigentums, und nicht das menschliche Leben. Es geht also bei der (philosophischen) Bestimmung von Arbeit um menschliche Aneignung der gegenständlichen Welt des Menschen – zu der auch der Mensch selbst gehört. Was die Zukunft der Arbeit anbelangt - eben nicht oder nur subaltern eine Aneignung auf der Basis instrumentellen Handeln. --KonradSt 18:06, 4. Feb 2008 (CET)

Arbeitskraft und Wert

„Der Gebrauch der Arbeitskraft ist die Arbeit selbst. Der Käufer der Arbeitskraft konsumiert sie, indem er ihren Verkäufer arbeiten läßt. Letztrer wird hierdurch actu <tatsächlich> sich betätigende Arbeitskraft, Arbeiter, was er früher nur potentia <dem Vermögen nach> war.“ (MEW 23/192)

„Der Arbeiter arbeitet unter der Kontrolle des Kapitalisten, dem seine Arbeit gehört. …Das Produkt ist Eigentum des Kapitalisten, nicht des unmittelbaren Produzenten, des Arbeiters. (Jetzt die Begründung: (KS)) Der Kapitalist zahlt z.B. den Tageswert der Arbeitskraft. Ihr Gebrauch, wie der jeder andren Ware, z.B. eines Pferdes, das er für einen Tag gemietet, gehört ihm also für den Tag. Dem Käufer der Ware gehört der Gebrauch der Ware, und der Besitzer der Arbeitskraft gibt in der Tat nur den von ihm verkauften Gebrauchswert, indem er seine Arbeit gibt. Von dem Augenblicke, wo er in die Werkstätte des Kapitalisten trat, gehörte der Gebrauchswert seiner Arbeitskraft, also ihr Gebrauch, die Arbeit, dem Kapitalisten. Der Kapitalist hat durch den Kauf der Arbeitskraft die Arbeit selbst als lebendigen Gärungsstoff den toten ihm gleichfalls gehörigen Bildungselementen des Produkts einverleibt. Von seinem Standpunkt ist der Arbeitsprozeß nur die Konsumtion der von ihm gekauften Ware Arbeitskraft, die er jedoch nur konsumieren kann, indem er ihr Produktionsmittel zusetzt. Der Arbeitsprozeß ist ein Prozeß zwischen Dingen, die der Kapitalist gekauft hat, zwischen ihm gehörigen Dingen. Das Produkt dieses Prozesses gehört ihm daher ganz ebensosehr als das Produkt des Gärungsprozesses in seinem Weinkeller.“ (MEW 23/200)

Ließe sich fortsetzen... --KonradSt 17:56, 4. Feb 2008 (CET)

Arbeitskraft und Verwertung

Der Hinweis von Wolf ist korrekt, und meine Schreibe oben und auch nachfolgend („Berührungspunkte“), bestärkt tatsächlich eher den Eindruck, dass hier zwei Sorten Arbeit geleistet werden.

In meiner Schreibe: In meiner Formulierung oben „Sind die Produktionsmittel vor der Aneignung Wert und Gebrauchswert nur der Möglichkeit nach…“ wäre „Wert und“ zu streichen, das „mögliche“ Produktionsmittel als Ware hat Wert vor der Aneignung, sonst bräuchte der Geldbesitzer für die Aneignung kein Äquivalent hinblättern. Man müßte also also den Akt der Aneignung sicher nochmal genauer in den Kategorien des Warentauschs betrachten.

Zu Möglichkeit und Wirklichkeit noch deutlicher: - und zur Möglichkeit noch deutlicher: "Eine Eisenbahn, auf der nicht gefahren wird, die also nicht abgenützt, nicht konsumiert wird, ist nur eine Eisenbahn (der Möglichkeit nach), nicht der Wirklichkeit nach...ein Kleid wird erst wirklich Kleid durch den Akt des Tragens; ein Haus, das nicht bewohnt wird, ist in fact kein wirkliches Haus; also als Produkt, im Unterschied zum bloßen Naturgegenstand, bewährt sich, wird das Produkt erst in der Konsumtion. Die Konsumtion gibt, indem sie das Produkt auflöst, ihm erst den finishing stroke; denn Produkt ist das Produkt nicht als versachlichte Tätigkeit, sondern nur als Gegenstand für das tätige Subjekt ..." K.Marx: Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie. MEW 13, S.623

Der gemachte „Unterschied zum bloßen Naturgegenstand“ verweist m.E. lediglich darauf, dass der „bloße Naturgegenstand“ seine Verwirklichung in natürlichen Zusammenhängen – und eben nicht im menschlichen Zusammenhang steht. --KonradSt 18:08, 4. Feb 2008 (CET)

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